Home > Deutsch > Neuropathische Schmerzen: einige Facten

Neuropathische Schmerzen: einige Facten

Schmerz ist die häufigste Ursache für einen Arztbesuch! 

Etwa 20% aller Patienten, die wegen Schmerzen eine  Spezialeinrichtung aufsuchen, leiden an ungenügend behandelten  neuropathischen Schmerzen.

Im Verlaufe der Beschwerden suchen diese Patienten über einen Zeitraum von 10 Jahren im Durchschnitt 8 verschiedene Ärzte auf und werden 72 Tage stationär im Krankenhaus behandelt.

Schmerzen sind teuer! Schmerzbedingte Arbeitsausfälle verursachen Kosten ~ 20 Milliarden Euro / Jahr.

6% der Bevölkerung in Deutschland leiden unter neuropathischen Schmerzen.

Man unterscheidet schmerzen bei verschiedene Polyneuropathievormen: 

1. Periphere, fokale oder multifokale schmerzhafte Neuropathien: 

  1. Akuter Herpes Zoster,
  2. postzosterische Neuralgie
  3. Post-Mastektomie-Schmerz,
  4. Post-Thorakotomie-Schmerz,
  5. Narbenschmerzen,
  6. Phantomschmerz, Stumpfschmerz,
  7. Schmerzen nach Nervendurchtrennung (komplett/inkomplett)
  8. Trigeminusneuralgie,
  9. Glossopharyngeusneuralgie,  
  10. Chronische Radikulopathien,
  11. Postdiskektomiesyndrom,  
  12. Posttraumatische Neuropathie (Territoriales neuropathisches Schmerzsyndrom),  
  13. Engpasssyndrome,
  14. Diabetische Mononeuropathie,  
  15. Morton-Neuralgie,  
  16. Ischämische Neuropathie,
  17. Lyme oder Bannwarth-Syndrom (Borrelien-Infektion),  
  18. Neuralgische Schulteramyotrophie,
  19. Plexusläsion nach Bestrahlung Plexusinfiltration durch Tumor Sonderstellung, und
  20. komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS I [Morbus Sudeck, sympathische Reflexdystrophie], CRPS II [Kausalgie])   

2. Periphere, generalisierte, schmerzhafte Neuropathien (Polyneuropathien): 

  1. Metabolisch/ernährungsbedingt: Diabetes mellitus, oft Burning-Feet-Syndrom, Alkohol, Hypothyreose, Vitaminmangel (Beriberi, Pellagra)
  2. Medikamente: antiretrovirale Substanzen, Cisplatin, Oxaliplatin, Disulfiram, Ethambutol, Isoniazid, Nitrofurantoin, Thalidomid, Thiouracil, Vincristin, Chloramphenicol, Metronidazol, Taxoide, Gold Toxine: Acrylamid, Arsen, Clioquinol, Dinitrophenol, Ethylenoxid, Pentachlorophenol, Thallium
  3. Hereditär: Amyloidose, Morbus Fabry, Charcot-Marie-Tooth Typ 2B und 5, Hereditäre sensibel- autonome Neuropathien (HSAN) Typ 1 und 1B Malignome: paraneoplastisch (insbesondere Bronchialkarzinom), multiples Myelom
  4. Infektiös oder postinfektiös, immunologisch: akute inflammatorische Polyradikuloneuropathie (Guillain-Barré-Syndrom), Bannwarth-Syndrom (Borrelien-Infektion), HIV-Neuropathie
  5. Polyneuropathien anderer Ätiologien: Erythromelalgie    

Neuropathische Schmerz: Brennen, Kribbeln sowie durch eine Überempfindlichkeit  

Klinisch sind neuropathische Schmerzen durch Brennen, Kribbeln sowie durch eine Überempfindlichkeit gegenüber Berührung und Kälte bzw. Wärme charakterisiert. Der Schmerz kann als spontaner Dauerschmerz auftreten, einschießen oder evoziert werden. Typische Kennzeichen sind ein Empfindungsverlust und gestörte Empfindungen – meist in Koexistenz. Es finden sich positive und negative sensorische Symptom.
Eine Überschneidung von neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen ist möglich.„Therapeutisch sollten einige Grundregeln beachtet werden“, sagte Prof. Dr. Ralf Baron, Sektion für neurologische Schmerzforschung und Therapie, Klinik für Neurologie, Christian-Albrechts-Universität, Kiel. 

Neuropathische Schmerz: Therapie Prinzip

„Die Möglichkeiten einer kurativen oder kausalen Therapie sollten ausgeschöpft werden. Das wirksame Medikament muss bei jedem einzelnen Patienten durch Erprobung unter Berücksichtigung des individuellen Beschwerdebildes bei Berücksichtigung der Nebenwirkungen und Kontraindikationen gefunden werden.“ Jeder Patient benötigt eine individuelle Dosierung in Abhängigkeit von Wirkung und Nebenwirkung. Auf eine sorgfältige Titration ist zu achten.
Die Wirkungslosigkeit des Medikamentes sollte erst nach zwei bis vier Wochen unter ausreichender Dosierung beurteilt werden“, so Baron. „Einzeldosen und Applikationsintervalle müssen je nach Pharmakokinetik und Interaktionsprofil bemessen werden. Kombinationspräparate mit Koffein, Benzodiazepinen oder Muskelrelaxantien sind nicht indiziert.“
Aufgrund der derzeitigen Evidenz empfiehlt Baron folgende Basistherapie: Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, SNRI), Antikonvulsiva mit Wirkung auf neuronale Kalziumkanäle (z.B. Gabapentin, Pregabalin), Antikonvulsiva mit Wirkung auf neuronale Natriumkanäle (z.B. Carbamazepin, Lamotrigin), lang wirksame Opioide, topische Therapien.
„Hundertprozentige Schmerzfreiheit ist leider nicht zu erreichen. Besprechen Sie eine Lebensqualitätsverbesserung“, so der Rat der Experten.