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WDR: Der neuropathische Schmerz

Nach Analysen in verschiedenen Ländern Europas, so auch in Deutschland, leiden circa 5 bis 7 Prozent der Bevölkerung an neuropathischen Schmerzen. Das nennt man Punktprävalenz.  Bei einer noch größeren Anzahl von chronischen Schmerzpatienten spielt eine neuropathische Schmerzkomponente zumindest eine gewisse Rolle und trägt damit zu den Gesamtschmerzen bei. Die klassischen peripheren neuropathischen Schmerzsyndrome, die schmerzhafte diabetische Polyneuropathie und die postzosterische Neuralgie, machen in der Praxis von Schmerzspezialistenbereits 13 % der Patienten aus. Etwa 20% aller Patienten, die wegen Schmerzen eine Schmerzen Spezialeinrichtung aufsuchen, leiden an ungenügend behandelten neuropathischen Schmerzen!

Populations-basierte Studien aus Großbritannienerbrachten eine Prävalenz der chronisch schmerzhaften Polyneuropathie von 16-26 % aller Patienten mit Diabetes mellitus und von 5 % der Menschen ohne Diabetes.

Postzosterische Neuralgie, diabetische Polyneuropathie, chemotherapie-induzierter Schmerz werden viel gesehen.

Neuropathische Schmerzen: brennende Schmerzen 

Definition: Schmerzen, verursacht durch eine Läsion oder eine Dysfunktion des Nervensystems“ International Association for the Study of Pain (IASP)  

Neuropathische Schmerzen können brennende Dauerschmerzen sein, Schmerzen, die sich wie 1.000 Nadelstiche anfühlen bis hin zu plötzlich einschießenden Schmerzattacken. Im Gegensatz zu anderen Schmerzarten ist bei chronischen neuropathischen Schmerzen das Nervensystem selbst geschädigt. Diese Art von Schmerzen kann nach einer Schädigung von Nervenstrukturen im peripheren oder zentralen Nervensystem entstehen. Das heißt, die Schmerzen entstehen in dem System, das eigentlich das Signal „Schmerz“ zum Gehirn weiterleiten soll. Diese Störung im Schmerzleitungssystem kann dazu führen, dass selbst kleinste Berührungen am Körper unerträgliche Schmerzen bereiten.

Viele Patienten geben exakt identische Schmerzformen an, z.B. brennende Dauerschmerzen oder Schmerzen bei leichter Berührung der Haut (Allodynie), obwohl sie an ätiologisch völlig unterschiedlichen Erkrankungen leiden (z.B. postzosterische Neuralgie, diabetische Polyneuropathie, chemotherapie-induzierter Schmerz).  

Die Ursachen dieser Schmerzen bleiben häufig unerkannt. Oft vergehen Jahre, bis den Betroffenen wirklich geholfen und eine richtige Diagnose gestellt wird. Nach Angaben der Deutschen Schmerzliga dauert dies im Schnitt acht bis zehn Jahre. Die Ursachen von neuropathischen Schmerzen sind vielfältig – es können Erkrankungen wie Diabetes sein, aber auch Verletzungen, Viren oder entzündliche Prozesse im hochempfindlichen Nervensystem. 

Sendung WDR: Der neuropathische Schmerz (Montag, 18. Januar 2010, 18.20 – 18.50 Uhr):  

Weitere Quelle:

DGSS-Symposium Pfizer „ Schmerzen haben viele Gesichter: Diagnose und Therapie am Puls der Zeit“, Berlin, 09/10/09 – Berichtsreferent: R. Baron, Kiel